Vie:nna Brands Forum vom 16.9.2020: Wiener Wirtschaftsmarken transportieren Identität, Emotionalität & Images

Unter den derzeit geltenden Rahmenbedingungen diskutierte das Vie:nna Brands Forum „Die Marke und ihre Identität, Emotionalität & Images“. Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke und Präsident Walter Ruck, Wirtschaftskammer Wien, machten in einem Gespräch mit Sonja Kato in der Landtmann Bel-Etage deutlich, alles zu unternehmen, um unter den derzeitigen Herausforderungen die Wiener Wirtschaft zu unterstützen. Peter Hanke: „Wir haben nunmehr das dritte Corona-Hilfspaket auf den Weg gebracht und vom Gastrogutschein bis zu den „Stolz auf Wien“- Beteiligungsmöglichkeiten gibt es gemeinsam mit der Wiener Wirtschaftskammer eine Reihe von Aktivitäten, die bedeutend sind. Die Situation im Wiener Tourismus ist durch die Ausfälle wegen Covid 19 besonders herausfordernd, hier wird es notwendig sein, weitere Maßnahmen zu ergreifen. Allerdings ist da auch die Bundesregierung gefordert, aktiv zu sein.“ Walter Ruck sah insbesondere „in der Zusammenarbeit mit der Stadt eine wichtige Kooperation, die auch in Zukunft Sinn macht, weil wir gezeigt haben gemeinsam viel zu erreichen. Gerade in diesen Tagen ist es uns zum Beispiel gelungen, die Schanigärten auch in den Wintermonaten offen zu halten.“ Die beiden Kooperationspartner machten deutlich, dass sie die Wiener Wirtschaftsmarken immer wieder erfolgreich ins Ausland getragen haben, dabei hilfreich waren gleichermaßen die Außenstellen der Stadt Wien, wie auch die der Wirtschaftkammer. Alle Ressourcen gemeinsam kraftvoll zu nützen auf das setzen Peter Hanke und Walter Ruck in ihrer Partnerschaft.

Im ersten Panel zu den Wiener Erlebnismarken wurde deutlich, dass die Rahmenbedingungen durch die Corona-Krise für alle im Tourismus und in der Gastronomie äußerst schwierig sind, die Einbrüche sind einfach eklatant. Prof. Dieter Scharitzer von der WU und GF TQS, betonte in seiner Keynote seine drei „M“, die Markenarbeit, Multichannelling und Mut. Alle drei sind jetzt besonders entscheidend für ein Unternehmen und haben an Bedeutung zugenommen: Markenarbeit, die mit viel Kontinuität inhaltlich und emotional mit einem klaren Profil sowie Beziehungspflege agieren muss, darüber hinaus multichannel aktiv sein, z.B. jetzt besonders durch Onlineaktivitäten wie z.B. mit einem Onlineshop und Mut generell ist dzt. in hohem Maße gefragt, um durch die Krise zu kommen. „Moments that matters“ hatte Gastronom Berndt Querfeld sprichwörtlich für sich neu definiert, indem er ein Pop-Up Bierlokal im bekannten Gastgarten Napoleon in der Donaustadt eröffnete. Querfeld: „Ja, man muss sich etwas trauen und es muss natürlich in die derzeitige Situation passen, weil die Menschen aus gesundheitlichen Überlegungen vermehrt im Freien sitzen wollen. Das Bootshaus, das wir letztes Jahr eröffnet haben, mit dem großen Gastgarten an der Alten Donau, ist seit Wochen komplett ausreserviert.“ Hans Peter Spak, mit seinen top Marken „Hinkpasteten“ und „Spak-Ketchup“ oder die Sauce „Das Österreicher“ konnte berichten, dass die gute Auslastung im Lebensmittelhandel, seine Einbußen in der Gastronomie wettmachen konnte. Bei Hinkpasteten sah Unternehmer Spak als entscheidend an, dass „die Verbindung zur top Marke Wien hergestellt werden konnte. Qualität muss auch emotional sichtbar sein, das macht einerseits unser Produkt aber auch die Verbindung mit der lebenswerten Stadt Wien aus“.  Vera Kremslehner-Braunegg, von den Kremslehner Hotels wie z.B. das Regina, wies auf eine katrastophal schlechte Auslastung hin, die durch das Ausbleiben der Touristen aus Asien, des Nahen- und Mittleren Osten und China zurückzuführen ist. Kremslehner möchte, dass sich die Touristiker stärker auf Europa fokussieren, um dort neue Gäste anzusprechen. Unmittelbar nach der Veranstaltumg war auch das schon wieder fast obsolet, die Reisewarnungen von Deutschland, Dänemark oder Belgien machten das deutlich. Auf die Frage von Veranstalter Ralph Vallon, ob nun neue Aktivitäten für die Kommunikation in der Krise entwickelt wurden, meinte Kremslehner, dass „in erster Linie an den bestehenden Buchungskanälen im Netz wie booking.com weiter gearbeitet wurde, um für den day-after gut vorbereitet zu sein. Einhelliger Tenor war, dass Qualitätsmarken es leichter haben werden, sich aus der Krise heraus wieder gut zu entwickeln.

Beim zweiten Panel machte Günter Thumser, GF des Markenartikelverbandes, in seiner Keynote zu Beginn eine Tour d’Horizon zu den „Wirtschaftsmarken im Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation“. Insbesondere mit dem Postulat „Ohne Herkunft keine Zukunft“ zeigte Thumser auf, dass gelebte Tradition oft über Jahrzehnte erarbeitet werden mußte, um Vertrauen und Nachhaltigkeit beim Konsumenten zu erzeugen. Dass sich Marken auch immer wieder neu erfinden müssen, ist ebenso richtig, wie das Markenführung ein Balanceakt zwischen Alt und Neu bleibt. Thumser betonte, dass Marken Sinn stiften sollen und das ist in der Regel dann, wenn sie traditionell und innovativ unterwegs sind. Der Reason-why und die emotionale und inhaltliche Aufladung spielen dabei eine große Rolle. Im anschließenden Podium sah Juwelier Alexander Skrein auch die gesellschaftlich Verantwortung einer Unternehmensmarke für entscheidend an, gerade in Zeiten wie diesen kommt Social Responsibility große Bedeutung zu. Die Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Wien Margarete Kriz-Zwittkovits setzte sich besonders für die Vorzüge der Regionaltät einer Marke ein, gerade in den letzten Monaten wurde deutlich, wie entscheidend die Nahversorgung ist – das Gute liegt tatsächlich so nah. Robert Judtmann, GF Unique Fessler Werbeagentur, sah die Aufgabe einer Agentur die Markenführung kontinuierlich und nachhaltig zu begleiten. Neue Ideen dürfen hier ebenso Platz haben, wie das Aufladen der Marke mit Storytelling. In diesem Zusammenhang stellte sich auch die Frage, inwieweit Marken durch einen Slogan zusätzlich emotional im Gespräch gehalten werden können. Drei Beispiele von Günter Thumser blieben in der Diskussion besonders in Erinnerung: Die Wiener Marken Almdudler, Manner und Kotanyi konnten hier überzeugen. Alle drei Slogans sind in unserem Ohr fest verankert und wir verbinden damit ein Erlebnis, eine besondere Erfahrung: „Wenn die kan Almdudler haben geh wieder ham“, „Was tät i ohne Kotanyi“ oder „Manner mag man eben“ bestätigen das. Thumser ergänzte: „Ein Slogan kann sehr gut zum Selbstverständnis einer Marke, eines Produktes beitragen und sie emotional aufladen. Gleichzeit muss die Botschaft auch authentisch sein, wenn nicht, kann das schnell in die falsche Richtung gehen“. Persil durfte, schon gar nicht beim früheren Europa Henkel Präsident Thumser, fehlen, der Persilschein oder die Persil-weiße Weste ist vermutlichen nicht mehr allen in Erinnerung, schon eher aus den 70er Jahren ist der Slogan, „Persil, da weiß man was man hat“ bekannt. Andreas Urban, Braumeister von Schwechter Bier der Brauunion, setzte den Schlusspunkt, wobei er damit auch schon zu den lukullischen Freuden überleitete. Das 175 Jahre alte Schwechater Wiener Lager feierte vor ein paar Jahren sein Jubiläum, die traditionelle Marke dieses modernen, untergärigen Bieres ist ein gutes Beispiel für Tradtion und Innovation. Eine Vie:nna Brand im ursächlichen Sinn: mit einem traditionellen Auftritt und einem trendigen Biergeschmack, wo auch die Craft-Bier-Bewegung der letzten Jahre etwas dazu beiträgt.

Zu guter Letzt wurden Schlumberger Sekt und Habsbuger Weine vom Wagram am Tisch verkostet. Letztere fanden bei der Club Cuvée Weinverkostung, präsentiert von Inna Habsburg-Lothringen, mit dem Grünen Veltliner Maximilian und dem gleichnamigen roten Cuvée einen besonderen Anklang. Beim Vie:nna Brands Forum u.a. gesehen Philipp Breitenecker, GF Elektra-Bregenz, Georg Semler, AR-Vorsitzender Rudolfinerhaus, Oracle Marketingleiter Johannes Dobretsberger, Gerhard Schuster, Vorsitzender Wien 3420 Aspern, Renate Krüger-Fischer, Marketingleiterin HS Timber, Barbara Heindl, Head Marketing & Sales Confiserie Heindl, Wolfgang Layr, MD Volksbank Wien, Florian Laszlo, GF Observer, Christoph Sauermann, GF mediclass, Smajo Pasalic, GF Migra, Berater Heinz Stiastny, Florian Mott, CEO Hackabu, Stefan Lechner, Prok. Verkaufsleiter Kurier, Uschi Nosal, Leiterin Novomatic Forum, die Gastronomen Margit und Andre Stolzlechner, Horst Pemp, Verkaufsleiter Habsburg Weine und Raphaela Vallon-Sattler, GF Vallon Relations & Coaching.

Fotocredit (c) Kathrina Schiffl