3.vie-mobility

Bürgermeister und CE0s im Talk — Wirtschaft trifft Stadtpolitik

Hochkarätig besetzte Diskussion über E-Mobilität und deren Zukunftschancen im Wiener Rathaus. Michael Häupl und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit sprachen über Möbilitätskonzepte in den Hauptstädten =

Mit der vie-mobility, der Plattform für Mobilität, Stadtentwicklung und Nachhaltigkeit hat live relations zum dritten Mal ein hochkarätiges Symposium auf die Beine gestellt. Veranstalter Ralph Vallon:„ Im Mittelpunkt standen das Miteinander von Individual- und öffentlichem Verkehr und realistische Lösungen für die Menschen in den Ballungszentren.“ Dass es diese schon gibt zeigten die Diskussionsbeiträge: „Bis 2015 wollen wir 3.000 E-Tankstellen in Berlin realisieren. Wenn man das Thema bewegen will, muss man mutig vorangehen. Es müssen mehrere Wege gegangen werden. Einen Königsweg alleine gibt es nicht“, so Berlins regierender Bürgermeister Klaus Wowereit.

„Wir müssen uns fragen, wie sich Menschen in der Stadt bewegen. Unser Angebot ist der öffentliche Verkehr, den wir ausbauen und billiger gemacht haben mit der Jahreskarte um einen Euro pro Tag“, erklärte Wiens Bürgermeister, Michael Häupl. Betreffend ElektroMobilität stellte Häupl fest, dass sich Wien am Anfang einer Entwicklung befinde und starke Partner aus der Wirtschaft brauche, damit Technologie auch Fuß fassen könne. Über die Entwicklung und Zukunft der EMobilität diskutierten im Anschluss hockarätige ExpertInnen aus Wirtschaft und Forschung mit Peter Pelinka und live relationsGeschäftsführer Ralph Vallon.

Das richtige Fahrzeug zur richtigen Zeit Über 30.000 Vermietungen kann sich car2go Europe-Geschäftsführer Stefan Müller freuen. Durchschnittlich sechs Mal pro Tag werden die Smarts vermietet und liefern damit einen Beweis für die hohe Nachfrage nach alternativen Modellen für den Individualverkehr.

In Deutschland unterhält car2go fruchtbare Kooperationen mit dem öffentlichen Nahverkehr und entwickelt gemeinsame Preismodelle. In Stuttgart sind die Stadtflitzer teilweise schon mit Elektroantrieb unterwegs. Peter Hanke, Wien Holding Geschäftsführer, sieht mit Erfolgen Wiens bei der Bewertung der Lebensqualität gute Ergebnisse für die Stadt. Mit dem Twincityliner nach Bratislava zeigt die Wien Holding im Fernverkehr, dass es auch am Wasser Alternativen zum Auto gibt. „Mit einem PPP-Modell sind wir auch wirtschaftlich neue Wege gegangen und haben mit Partnerschaften gezeigt, dass die öffentliche Hand gemeinsam mit der Privatwirtschaft erfolgreiche Modelle an zu bieten hat.“, so Hanke. In Graz setzt man auf den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, um dem steigenden Mobilitätsbedürfnis nachzukommen und weitet die Kapazitäten durch größere Fahrzeuge aus.

So lange es eine Alternative zum Auto gibt, ist diese für Muhr immer auch die bessere Alternative für die Umwelt. Daher setzt sie mit dem „Graz Bike“ unter anderem auf die Vernetzung des Fahrrades mit dem öffentlichen Verkehrsnetz.
„Eine Reihe von Trends spielen den öffentlichen Verkehrsmitteln entgegen“, erklärt Clemens Först, Leiter Strategie und Unternehmensentwicklung bei der ÖBB. Das Ziel ist für ihn Tür-zuTür-Mobilität einem intelligenten Mix, bei dem öffentlicher Nah- und Fernverkehr mit Car Sharing und E-Mobilität zusammenspielen.
Um diese mobilen Synergien besser zu nützen, spricht sich auch Wiener StadtwerkeGeneraldirektorin Gabriele Payr für einen verbesserten Kommunikationsfluss zwischen den Informations- und Mobilitätsanbietern aus.
Wiener Mobilität im Umbruch „Die Mobilität ist in Wien im Umbruch. Die Fortbewegung mit dem eigenen Auto ist untergeordnet. Vielfältiges, multimodales Verkehrsverhalten muss einfach zu bedienen und konsumentenfreundlich sein“, so Wiener Stadtwerke-Geschäftsführer Michael Lichtenegger. Voraussetzung ist jedoch der Ausbau der Lade-stationen im öffentlichen Bereich, der auch durch Kooperationen mit dem Lebensmitteleinzelhandel angetrieben werden soll.

„Der Aufbau der Ladeinfrastruktur braucht Geld aus der öffentlichen Hand“, forderte Jörn Meier-Berberich, Vorstand der Stuttgarter Straßenbahnen, von der Politik. „Das Konkurrenzgehabe von Autos und anderen Verkehrsmitteln ist abstrus“, so Meier-Berberich, der Car Sharing-Modelle nicht als Konkurrenz sieht.
Straßenbahnen AG Gehen und das Fahrrad sind brauchbare Alternativen für ihn, da auch der öffentliche Nahverkehr an seine Kapazitätsgrenzen stößt. Er setzt auch auf eine stärkere EchtzeitKommunikation über Smartphones und Tablets, um Kunden über alternative Fortbewegungsmittel informiert. Für einen Ausbau der Information über alternative Fortbewegungsmöglichkeiten spricht sich auch Kapsch TrafficCom-Vorstand Erwin Toplak aus, um zum jeweiligen Zeitpunkt optimale Entscheidungsmöglichkeiten bieten zu können.

Ergänzende Mobilität statt reiner Elektromobilität Eine kritische Bestandsaufnahme versprach Moderator Peter Pelinka und traf damit durchaus auf Skepsis Ergänzende Mobilität durch Car SharingModelle und nicht nur Elektromobilität ist für Wiener Linien-Geschäftsführer Günther Steinbauer die Zukunft. Das gut ausgebaute Netz der Wiener Linien kann Ladeinfrastruktur für E-Mobilität schaffen. Individualverkehr wird es für ihn jedoch immer geben.

Durchaus nüchtern auch die Einschätzung von Wiesenthal-Vorstand Alexander Martinowsky: „Elektroautos werden in ganz Europa zu wenig gekauft. Die Skepsis gegenüber den neuen Techniken ist noch groß. Zudem fehlt eine klare Ansage der Politik zur Zudem fehlt eine klare Ansage der Politik zur ökonomischen Sinnhaftigkeit. Es stehen zu viele offene Fragen im Raum.“
Die große Euphorie sei verflogen. In den nächsten zwei bis drei Jahren wären keine revolutionären Durchbrüche zu erwarten. Es ginge im Moment um den effizienteren Umgang mit bestehenden Technologien, berichtete auch Christine Tissot, Leiterin Mobility Department im AIT.
„Mobilität betrifft alle Wirtschaftszweige stellte Wirtschaftskammer Präsidentin Brigitte Jank fest.
Von 4,5 Millionen Autos in Österreich sind nur 1.500 e-mobile Autos. Lange Ladezeiten und hohe Kosten sind nicht für alle Unternehmen geeignet. Jank ortet eine Verschlechterung der Wirtschaftsleistung in einem zunehmend schärfer werdenden Wettbewerb.
Jank ortet eine Verschlechterung der Wirtschaftsleistung in einem zunehmend schärfer werdenden Wettbewerb. Für sie ist in Sache E-Mobilität klar: „Es ist noch nicht so weit!“ Auch die Parkraumbewirtschaftung muss noch optimiert werden, weil Betriebe in der Stadt bessere auf sie abgestimmte Lösungen benötigt.
REWE umrundet einmal täglich den Erdball, um die über 3.000 Märkte in Österreich zu beliefern. Alle neuen Märkte verfügen über Ladestationen. „Mobilität wird immer wichtiger sein: Wir müssen sie optimal und effizient gestalten“, so REWE-Vorstand Frank Hensel.
„Zu jedem Autoneukauf sollte es eine Karte für die öffentlichen Verkehrsmittel geben. Die Rivalität Individual- und öffentlicher Verkehr muss beendet werden“, brachte es Hensel auf den Punkt.

Elektromobilität ist keine Sackgasse
Einen positiven Schlussstrich zog Arnulf Wolfram, Siemens Österreich: „Das Thema Elektromobilität steht im Fokus der Industrie und ist sicher keine Sackgasse!“ Elektromobilität sei die einzige Technologie zur Erreichung der Klimaziele, weshalb Renault seit 2008 auch über 4 Milliarden Euro in diese Sparte investiert hat und über 2.000 Menschen beschäftigt, führt Renault Österreich-Kommunikationschefin Dorit Haider aus. In Österreich wurden heuer bereits 550 Elektromobile verkauft worden. Haider spricht von einem „enormen Interesse in der Bevölkerung bei leistbaren Angeboten“. Renault vermietet beispielsweise die noch teuren Batterien.
Langfristig erwartet man bei Renault einen Anteil von 70 Prozent der Menschen, die in den Städten leben werden. Elektromobilität wird laut Haider wesentlich sein, um die Lebensqualität zu erhalten.
Bis 2050 möchte die Europäische Union keine konventionellen Kraftfahrzeuge in den Städten fahren sehen. Die Kosten für diese Energietransformation belaufen sich auf 1.500 Milliarden Euro — noch ohne Anschaffungskosten der Autos in Höhe von weiteren 1.000 Milliarden Euro.

Industriellenvereinigung- Vizegeneralsekretär Peter Koren ortet für die heimische Wirtschaft große Chancen in der Herstellung von Komponenten. Derzeit steht für ihn aber die Optimierung bestehender Systeme im Vordergrund, um den Flottenverbrauch zu senken.

Beim vie-mobility Symposium gesehen wurden unter anderen: Martin BachlechnerlVD Österreichisches Verkehrsbüro, Roman BarthalSiemens Österreich, Alfred BergerlGF Raiffeisen-Leasing Fuhrparkmanagement, Walter BogadlWien IT Dienstleistungsgesellschaft, Johannes DobretsbergerlLeiter Hardware-Marketing Osteuropa Franz Chalupeckyl Vorsitzender des Vorstands ABB, Felix Clary und Aldringenl Industriellenvereinigung, Christian Deutschl Landesparteisekretär SPÖ Wien, Gabriele DomschitzlVD Wiener Stadtwerke, Peter HagenlGD Vienna Insurance Group, Walter HeckelGF Trafficpass Holding, Stefan HöffingerlHöffinger Solutions, Eleonora JanottalWiener Stadtwerke, Gernot LobenberglGF Berliner Agentur für Elektromobilität eMO, Klaus 0berhammerlGD Citroen Österreich, Christian PesaulIndustriellenvereinigung Wien, Georg ReberniglGF Umweltbundesamt, Werner Schediwyl Leiter Marketing Raiffeisenlandesbank Wien-NÖ, Klaus SchmidlVD Capgemini Consulting Österreich, Johann SereiniglVD Verbund, Erwin SmolelGF PwC Österreich, Martin Sturzelbauml GF Europäische Reiseversicherung, Dietmar WeingantlGF Schrack Technik,